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GEISTSTUDIES
FrageBand 01GA 34, 297, 293, 311

Warum hielt Steiner Musik für Kinder für so wichtig?

7 Stellen aus Band 01 „Waldorfpädagogik: Grundlagen und Praxis“. Steiner begründet die Musik in der Erziehung je nach Jahr verschieden; die Stellen stammen aus seiner Schrift von 1907GA 34 S. 339 und aus Vorträgen von 1919 und 1924GA 297 S. 76GA 308 S. 52.

Kurz gesagtWas der Band zu dieser Frage sagt, in unseren Worten; jede Aussage mit Seite.

Kurz gesagt

Für das frühe Kindesalter schreibt Steiner 1907, Kinderlieder sollten „einen schönen rhythmischen Eindruck auf die Sinne machen“, mehr durch den Klang als durch den SinnGA 34 S. 328. Für die Schuljahre rechnet er die Musik in derselben Schrift zur Bildung der „Gefühlswelt“ und zur „Pflege des Schönheitssinnes“ und begründet sie mit seinem Begriff des Ätherleibs, an dem sich nach ihm Neigungen, Gewohnheiten, Charakter und Gedächtnis bildenGA 34 S. 329: Das Musikalische müsse ihm „jenen Rhythmus zuführen“, der ihn befähige, „den in allen Dingen auch sonst verborgenen Rhythmus zu empfinden“GA 34 S. 339. Wem diese Pflege fehle, dem werde „viel für das ganze spätere Leben entzogen“GA 34 S. 339. 1919 nennt er den Eltern Zeichnen, Malen und Musik zusammen als Weg, die „Willenskraft“ zu pflegenGA 297 S. 76, und vor Lehrern sagt er, vor dem Lesen und Schreiben müssten „die ersten Elemente des Musikalischen“ stehen, weil sie „auf den Gliedmaßen- und auf den Brustmenschen und nur mittelbar auf den Kopfmenschen“ wirktenGA 293 S. 167. 1924 spricht er davon, dass Sprechen- und Singenlernen den „Atmungsrhythmus“ gestalteten, und sagt, welche „ungeheure Bedeutung“ es habe, in der Volksschule „in der richtigen Weise“ mit dem musikalischen Element einzugreifenGA 308 S. 51–52.

Die StellenSteiners Sätze, so wie sie in der Studienausgabe stehen.

Die Stellen

Die Erziehung des KindesAufsatz, 1907 · Vom Gesichtspunkte der GeisteswissenschaftGA 34 S. 328

Im frühen Kindesalter ist insbesondere wichtig, dass solche Erziehungsmittel wie zum Beispiel Kinderlieder möglichst einen schönen rhythmischen Eindruck auf die Sinne machen. Weniger auf den Sinn als vielmehr auf den schönen Klang ist der Wert zu legen.

„Ätherleib“ ist ein Begriff aus Steiners Anthroposophie, die er in dieser Schrift „Geisteswissenschaft“ nenntGA 34 S. 344; an ihm bilden sich nach Steiner Neigungen, Gewohnheiten, Charakter und GedächtnisGA 34 S. 329. Die Zeit, von der Steiner spricht, sind die Jahre zwischen Zahnwechsel und Geschlechtsreife.GA 34 S. 339

Das Musikalische muss dem Ätherleib jenen Rhythmus zuführen, der ihn dann befähigt, den in allen Dingen auch sonst verborgenen Rhythmus zu empfinden. Einem jungen Menschen wird viel für das ganze spätere Leben entzogen, dem in dieser Zeit nicht die Wohltat einer Pflege des musikalischen Sinnes zuteil wird.

GA 34 S. 340

Dabei sollen aber ja die anderen Künste nicht vernachlässigt werden. Die Erweckung des Sinnes für architektonische Stilformen, desjenigen für plastische Gestalten, für Linie und Zeichnerisches, für die Harmonie der Farben, nichts davon sollte im Erziehungsplan fehlen.

Vortrag für die Eltern der WaldorfschulkinderStuttgart, 31. August 1919 · Pioniere wollen wir seinGA 297 S. 76

Diese Willenskraft wollen wir so pflegen, dass wir die Kinder schon in verhältnismäßig früher Kindheit anfangen lassen, etwas Künstlerisches zu treiben. Denn dieses Geheimnis kennen die meisten Menschen gar nicht, wie es mit dem Willen zusammenhängt, sich einmal in der Kindheit in der richtigen Weise mit Zeichnerischem, Malerischem, Musik und sonstigem Künstlerischem befasst zu haben.

Elfter VortragStuttgart, 2. September 1919 · Der Genius der SpracheGA 293 S. 167

Es darf der Lese- und Schreibunterricht nicht anders erteilt werden, im guten Unterrichten, als von der Kunst her. - Die ersten Elemente des Zeichnens und Malens, die ersten Elemente des Musikalischen, die müssen vorangehen.

Zweiter VortragTorquay, 13. August 1924 · Vom Bild muss man ausgehenGoethe fand das „zu abstrakt“ und erfand sich für den Zeigefinger den „Deuterling“GA 311 S. 40.GA 311 S. 39

Man darf da immer wiederum auf Goethe hinweisen, der als Knabe Klavier spielen lernen musste. Er wurde angewiesen, wie er den ersten Finger, den zweiten Finger und so weiter zu gebrauchen habe.

GA 311 S. 40

Aber das war ihm unsympathisch, und er erfand selber dem trockenen, pedantischen Lehrer gegenüber - denn der alte Vater Goethe war ein Urphilister, so ein richtiger Frankfurter Philister, der nahm natürlich auch philiströse Lehrer am liebsten, weil die die guten sind, nicht wahr - nun, das war dem Buben Goethe zuwider, zu abstrakt; da erfand er sich selber den «Deuterling», nicht der Zeigefinger, das ist abstrakt, aber der Deuterling. Das Kind will das Bild, will sich selber als Bild fühlen.

Was der Text nicht sagtNaheliegende Lesarten, die der Band nicht trägt.

Was der Text nicht sagt

  • Nicht: Musik macht schlau. Von Intelligenz oder besseren Noten durch Musik spricht der Band nicht; „Intelligenz“ kommt im Band nicht vor. Am nächsten kommt dem Steiners Satz vor Lehrern von 1919, die ersten Elemente des Zeichnens, Malens und Musikalischen wirkten „nur mittelbar auf den Kopfmenschen“ und weckten dann auf, „was im Kopfmenschen drinnen ist“GA 293 S. 167; das ist, wie seine Begründungen über Ätherleib, Willen und Atmung, Steiners Lehre vom Menschen und kein Versprechen besserer LeistungenGA 34 S. 339GA 297 S. 76GA 308 S. 51.
  • Nicht: Musik vor allen anderen Künsten. Gleich danach schreibt Steiner 1907: „Dabei sollen aber ja die anderen Künste nicht vernachlässigt werden.“GA 34 S. 340
  • Nicht: früh und streng an ein Instrument. Als Beispiel nennt Steiner Goethe, dem die Anweisung zum ersten und zweiten Finger beim Klavier „zu abstrakt“ warGA 311 S. 40; ein Alter, in dem ein Kind ein Instrument lernen soll, nennt der Band nicht.
  • Keine Musiktherapie und keine Vorwegnahme der Forschung: Die Verbindung von Singen und „Atmungsrhythmus“ ist Steiners Lehre vom Menschen, keine BehandlungsempfehlungGA 308 S. 51; „Musiktherapie“ oder „Mozart-Effekt“ kommen im Band nicht vor.
Zu den Stellen

Die Frage ist von heute. „Kurz gesagt“ fasst in unseren Worten zusammen, was der Band zu dieser Frage sagt; „Was der Text nicht sagt“ nennt naheliegende Lesarten, die er nicht trägt. Jede Aussage über den Text nennt ihre Seite, und jedes Zitat daraus steht im Wortlaut der Studienausgabe auf dieser Seite; dass ein Wort im Band nicht vorkommt, ist am ganzen Band gezählt. Auch Vorspann, Auswahl der Stellen und Hinweise in der Randspalte sind unsere. Die Stellen selbst sind Steiners Sätze – bei Vorträgen in der Übertragung der Stenogramme, die die Gesamtausgabe druckt –, so wie sie in der Studienausgabe stehen: in heutiger Rechtschreibung, behutsam modernisiert, mit der Seite der Gesamtausgabe (GA) in der Auflage, die der Band nennt, damit sich jede Stelle im Original nachschlagen lässt. Den ganzen Zusammenhang gibt der Band.

Der BandBand 01

Waldorfpädagogik: Grundlagen und Praxis

Alle Stellen stehen in Band 01 „Waldorfpädagogik: Grundlagen und Praxis“ der Studienausgabe, herausgegeben von GeistStudies – dort im Zusammenhang des ganzen Textes.

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