Warum soll man Kindern Märchen erzählen?
7 Stellen aus Band 01 „Waldorfpädagogik: Grundlagen und Praxis“. Steiner schreibt 1907 über die ErziehungGA 34 S. 330 und spricht 1924 über den Unterricht der ersten SchuljahreGA 311 S. 37; Märchen gehören bei ihm in die Jahre bis etwa zum 9. oder 10. LebensjahrGA 311 S. 56.
Kurz gesagt
Vor dem Zahnwechsel könnten Erzählungen und Märchen nach Steiner „Freude, Erfrischung, Heiterkeit allein zum Ziele haben“; danach solle auch darauf geachtet werden, dass „Bilder des Lebens zur Nacheiferung“ vor das Kind tretenGA 34 S. 330. Bis zum 9. oder 10. Jahr unterscheide sich das Kind noch nicht von der äußeren Natur; darum werde man ihm „Märchen erzählen, Legenden, Mythen erzählen“GA 311 S. 56. Alles, was man an das Kind in diesem Alter heranbringe, solle „ins Märchenhafte, Legendenhafte, in die beseelte Erzählung gegossen sein“GA 311 S. 38; „Das Kind will das Bild, will sich selber als Bild fühlen.“GA 311 S. 40 Die Bilder müsse es nicht sogleich verstehenGA 311 S. 63, und beim Erzählen komme „alles auf die Art des Erzählens an“GA 34 S. 331. Steiner verbindet das Erzählen mit seiner Weltanschauung: Durch die Anthroposophie lerne man wieder, „an die Legenden, an die Märchen, an die Mythen selber zu glauben, weil sie in der Imagination die höhere Wahrheit ausdrücken“; von diesem Glauben durchdrungen, ströme die Rede des Erzählers an das Kind heranGA 311 S. 40.
Die Stellen
Vor dem Zahnwechsel werden die Erzählungen, Märchen usw., die man an das Kind heranbringt, Freude, Erfrischung, Heiterkeit allein zum Ziele haben können. Nach dieser Zeit wird man bei dem zu erzählenden Stoff außer diesem darauf Bedacht zu nehmen haben, dass Bilder des Lebens zur Nacheiferung vor die Seele des jungen Menschen treten.
Bei Erzählungen kommt alles auf die Art des Erzählens an. Es kann daher nicht ohne weiteres die mündliche Erzählung etwa durch Lektüre ersetzt werden.
Daher muss alles, was man an das Kind in diesem Lebensalter heranbringt, ins Märchenhafte, Legendenhafte, in die beseelte Erzählung gegossen sein.
Das Kind will das Bild, will sich selber als Bild fühlen.
Da ist es ja so, dass wir durch die Anthroposophie wieder lernen, an die Legenden, an die Märchen, an die Mythen selber zu glauben, weil sie in der Imagination die höhere Wahrheit ausdrücken.
Das Kind bis zum 9. oder 10. Jahr fordert die Belebung der ganzen äußeren Natur, weil es sich noch nicht unterscheidet von dieser äußeren Natur. Wir werden dem Kind eben dann Märchen erzählen, Legenden, Mythen erzählen.
Das Kind braucht die Bilder nicht sogleich zu verstehen.
Was der Text nicht sagt
- Nicht: Märchen für jedes Alter. Die Märchenzeit reicht im Band bis etwa zum 9. oder 10. JahrGA 311 S. 56.
- Nicht: Märchen sollen schon das kleine Kind moralisch erziehen. Vor dem Zahnwechsel könnten sie nach Steiner „Freude, Erfrischung, Heiterkeit allein zum Ziele haben“; erst danach kommen „Bilder des Lebens zur Nacheiferung“ hinzuGA 34 S. 330, und auch „abstoßende Bilder“ gegen „schlechte Gewohnheiten“, dies aber „mit dem größten Takte“, „damit die Sache nicht in das Gegenteil umschlage“GA 34 S. 331.
- Nicht: Lektüre kann das Erzählen ohne weiteres ersetzen; das schließt Steiner ausdrücklich ausGA 34 S. 331.
- Nicht: Das Kind denke animistisch und beseele die Dinge. Das weist Steiner zurück: „In Wirklichkeit beseelt das Kind nicht, sondern es macht nur noch nicht den Unterschied zwischen dem Lebendigen und Leblosen.“GA 311 S. 38
Die Frage ist von heute. „Kurz gesagt“ fasst in unseren Worten zusammen, was der Band zu dieser Frage sagt; „Was der Text nicht sagt“ nennt naheliegende Lesarten, die er nicht trägt. Jede Aussage über den Text nennt ihre Seite, und jedes Zitat daraus steht im Wortlaut der Studienausgabe auf dieser Seite; dass ein Wort im Band nicht vorkommt, ist am ganzen Band gezählt. Auch Vorspann, Auswahl der Stellen und Hinweise in der Randspalte sind unsere. Die Stellen selbst sind Steiners Sätze – bei Vorträgen in der Übertragung der Stenogramme, die die Gesamtausgabe druckt –, so wie sie in der Studienausgabe stehen: in heutiger Rechtschreibung, behutsam modernisiert, mit der Seite der Gesamtausgabe (GA) in der Auflage, die der Band nennt, damit sich jede Stelle im Original nachschlagen lässt. Den ganzen Zusammenhang gibt der Band.
Waldorfpädagogik: Grundlagen und Praxis
Alle Stellen stehen in Band 01 „Waldorfpädagogik: Grundlagen und Praxis“ der Studienausgabe, herausgegeben von GeistStudies – dort im Zusammenhang des ganzen Textes.
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